BoJack Horseman – Season 1 (2014)

Wahrscheinlich gibt es drei grundlegende Arten von Kuchen: Die, bei der man allein ob ihres Äußeren beurteilen kann, wie sie im Inneren aussehen und schmecken. Die, bei denen man beim Anschneiden überrascht ist, hatte man ob des Äußeren auf etwas anderes geschlossen; doch der Geschmack ist so, wie man ihn erwartet hatte. Und schlussendlich die, die beim Reinbeißen sämtliche Geschmacksknospen deiner Zunge explodieren lassen. Was dich überrascht, hatten Äußeres und Inneres dich doch anderes erwarten lassen.

BoJack Horseman ist so eine Torte.

Seit Einrichten meines Netflix-Kontos hatte ich der Serie immer argwöhnisch gegenübergestanden. Das Teaserbild, ein großes Warnschild. Es zeigte einen anthropomorphen Pferdemenschen in Bademantel im Swimmingpool, in der Hand eine Flasche Bier. „Ach, ein Family Guy-Klon in Regular Show-Optik.“ Ich konnte gut darauf verzichten. Zumal es doch auch andere wunderbare Eigenproduktionen gab. House of Cards, Orange Is The New Black, warum also die begrenzte Zeit mit Klonen verschwenden? Ein Fehler.

Wobei das Äußere von BoJack Horseman doch ziemlich nahe an meine Erwartungen kommt. Eine Show, deren Witz man mögen muss. Ich mag ihn. BoJack ist ein intelligenter Zeitgenosse, seine Umwelt … nicht immer. Und er lässt es sie spüren. Schlechte Wortspiele kommentiert er nur zu gerne, seine eigenen erklärt er unmittelbar nach dem Ausspruch. Ein Beispiel? Gerne:

Mr. Peanutbutter: We are calling [my new VH1 show] Peanutbutter and Jelly. Get it? Because I’m Mr. Peanutbutter!
BoJack: Okay, who’s jelly?
Mr. Peanutbutter: No, no, no. It’s like a peanut-butter-and-jelly sandwich. It’s wordplay.
BoJack: You may have too forgiving a definition of the word wordplay.
Mr. Peanutbutter: Well, it’s a working title.
BoJack: Well, it could be working harder. [Beat] And that’s wordplay.

Doch nicht nur BoJack sorgt für Lacher. Die Welt, ich hatte es schon erwähnt, wird sowohl von Menschen, als auch von anthropomorphen Tiermenschen bevölkert. Erklärt wird das nie, und das ist gut so. Stattdessen arbeitet man geschickt mit diesem Setting. Ein Navy Seal (eine der vielen Sprechrollen von Patton Oswalt) ist, buchstäblich, ein Seal, ein Seehund. Ein bekannter Regisseur ist niemand geringeres als Quentin Tarantulino, eine Tarantel. Als BoJack in einer Folge ein Videospiel zurückgeben möchte, benötigt er keinerlei Kassenbon; das im Laden beschäftigte Nilpferd konnte sich an ihn erinnern. BoJacks Agentin, Princess Carolyn, eine Katze, hat als Klingelton ein Stück aus dem Musical Cats. Es sind sowohl diese kleineren Easter Eggs, als auch der Humor mit dem Vorschlaghammer, die BoJack Horseman zu einem unheimlich witzigen Cartoon werden lassen.

Schneidet man die BoJack-Torte auf, so erblickt man eine wunderbare Auseinandersetzung mit Hollywood und dem Film-Business. Hier die ehemalige Serientochter von BoJack (hatte ich schon erwähnt, dass BoJacks Ruhm aus einer TV-Serie aus den 90ern, Horsin‘ Around, resultiert? Nein?) die nach dem Serienende eine Karriere als leicht-bekleidetes Teenie-Idol einschlug und heute den Drogen verfallen ist. Dort BoJacks ehemaliger Mentor und Schöpfer von Horsin‘ Around, der ebenso kalt wie skrupellos gefeuert wird. Unzählige Anspielungen, die ich nur zu gerne hier schreiben würde, euch aber nicht spoilern möchte.

Doch erst, wenn man in den BoJack-Kuchen beißt, sich also tiefer mit ihm auseinandersetzt, ihn auf sich wirken lässt, offenbart sich, wie großartig der Cartoon in Wahrheit ist. Denn BoJack ist ein tieftrauriger, depressiver, melancholischer Charakter. Eine Figur, die sowohl dem Ruhm vergangener Tage hinterherhechelt, als auch versucht, ihm zu entrinnen. Eine Figur, die so viel Angst vor der Einsamkeit hat, als dass sie die Versuche des Mitbewohners Todd, auf eigenen Füßen zu stehen, regelmäßig sabotiert. Doch in dieser Welt ist nicht allein BoJack eine tragische Figur, jeder Charakter stellt sich (oder muss sich) die Frage, ob das, was er ist, auch WIRKLICH er ist. Und ob es das ist, was man sein möchte. Sogar der Bauchbinden-Verantwortliche, der zwischen Nachrichten und Neuigkeiten der Welt mitteilt, dass er doch eigentlich Romane schreiben wollte.

BoJack Horseman ist lustig. Er ist kritisch. Und ihm, dem Cartoon, gelingt es durch die ernste Note, die, das sei erwähnt, sich erst langsam aufbaut um in der vorletzten Folge ihren Höhepunkt zu finden (für mich einer der Serien- und Filmmomenten des Jahres), etwas zu schaffen, was nur den wenigsten Genrekollegen gelingt. Das Voice Acting ist super: Ob Will Arnett als BoJack, Alison Brie als BoJacks Ghostwriter Diane Nguyen, Aaron Paul als Todd oder eben Patton Oswalt in einer seiner zahlreichen Rollen. Wahrscheinlich zeigt sich BoJack Horsemans Großartigkeit am besten durch dessen Outro-Song: Anfangs nur catchy, begeistert er zum Schluss auf so vielen Ebenen, als dass man Staffel Zwei sehnsüchtig entgegenblickt.

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