Spring Breakers (2012)

Nach der Veröffentlichung des ersten Trailers zu Spring Breakers hatte ich die Hoffnung hier einen überraschend gelungenen Spielfilm serviert zu bekommen. Warum? Good girls break bad Geschichte – geht immer. FSK18 – hier wird nichts geschönt, verharmlost oder angepasst. Spring Break – als US-Fanboy für mich natürlich ein ansprechendes Thema.

Im Kino ging der Streifen leider noch an mir vorbei, aber nun, da er zumindest im Verleih erhältlich ist (Verkaufsstart: 31. August), konnte ich meine Lust auf Spring Breakers endlich stillen. Was ich dann allerdings zu Hause sehen durfte, war mehr als unbefriedigend.

Ein Spielfilm sollte eine interessante Geschichte erzählen, eine Aussage haben oder Emotionen wecken. #SpringBreakers schafft nichts davon.
@m00shpit

Um es vorweg zu nehmen – Spring Breakers hat nicht viel von einem Spielfilm. Die Geschichte ist so marginal, dass sie, mit Edding geschrieben, auf eine benutzte McDonalds Serviette passt. Vier Mädels wollen für zwei Wochen ihrem Studentenalltag entfliehen und fahren zum Spring Break nach Florida. Dort angekommen leben sie die Party – Alkohol, Drogen, Freizügigkeit. Dann lernen sie einen Möchtegern-Gangster (James Franco) kennen, mit dem sie für den Rest der Geschichte abhängen und immer mehr über die Grenzen der Legalität schlagen. Die restlichen Story-Nuancen nehmen dabei keinen relevanten Einfluss auf die Erzählung und sind somit nur schnödes Beiwerk.

Verkörpert werden die vier von Selena Gomez, Vanessa Hudgens, Ashley Benson und Rachel Korine – allesamt eher für ihre Rollen in irgendwelchen Teenie-/Disney-Streifen bekannt. Trotzdem schaffen sie es, ihre Charaktere alles andere als kindlich wirken zu lassen. Blöd nur, wenn das Drehbuch anscheinend nicht mehr für sie hergibt. Ich konnte nämlich nicht nachvollziehen, warum die vier während des Spring Breaks dann dermaßen über die Stränge schlagen mussten, nur um ihrem Alltag zu entfliehen. Und im Endeffekt war mir dann auch egal, was mit ihnen passiert.

Darüber hinaus schafft es Spring Breakers nicht, Emotionen oder zumindest eine Stimmung zu vermitteln. Während ein Film wie Project X noch die Lust auf Party weckt, verliert sich Spring Breakers in inhaltslosen Kompositionen aus Musik und Zeitlupen. Das erinnert, gerade zum Kinostart von Only God Forgives, an Nicolas Winding Refn. Der schafft es aber mit seinem unüblichen Erzählfluss eine bedrückende Stimmung und das verstörte Innenleben seiner Charaktere widerzuspiegeln. Bei Spring Breakers herrscht hier Fehlanzeige.

Keine Bindung zu den Charakteren, keine kohärente Geschichte und am Ende bleibt noch nicht einmal eine Aussage, die Regisseur Harmony Korine dem Zuschauer mitgeben will. Sowas wie „Finger weg von den Drogen“ oder „Tue Gutes, sonst schlägt das Leben irgendwann zurück“. So kommt es, dass ich mich am Ende des Films verlassen fühlte. Zurückgelassen auf einer öden Party, ohne Musik, ohne Getränke, ohne Stimmung.

Eins kann ich Spring Breakers in Zeiten der Sexismus-Debatte jedoch nicht vorwerfen. Die Hauptcharaktere sind weiblich, sich den Reizen ihres Geschlechts bewusst und sind sich trotzdem nicht zu schade für ihre Wünsche zu kämpfen. Inwiefern sie damit das Bild der modernen Frau vertreten sei dahin gestellt, aber ein schwaches Beiwerk sind sie somit nicht.

Dies verleitet mich zu dieser etwas überspitzen Schlussfolgerung: Es gibt grundlos nackte Frauen, zusammenhangslosen Sex und das ganze verpackt mit einem Mindestmaß an Handlung. Mit Spring Breakers beginnt die Evolution des Softpornos.

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