Prisoners (2013)

Prisoners
Prisoners

Ich liebe es ja, bei einem Film mitfiebern zu können. So ein richtig spannender Thriller, damit macht man mich froh. Und wenn das Ganze dann noch in einer düsteren Geschichte verpackt wird, die nicht dem 08/15-am-Ende-wird-alles-gut-Muster entspricht, hat man mich schon längst an der Leine.

Die ersten Bilder und Meinungen zu Prisoners versprachen mir genau das. Dank meines lokalen Kinoprogramms, dass Prisoners entweder zu den unangenehmsten Zeiten, oder gleich gar nicht führte, musste ich mich aber leider noch bis zur Heimkinoveröffentlichung gedulden. Nun ist es soweit und ich durfte endlich meine Finger an die DVD legen. Aber konnte mich Prisoners nun auch zufriedenstellen?

Düster und stimmungsvoll habe ich mir gewünscht – und ich habe es auch bekommen. Denn Prisoners ist nicht nur, wie es sich für einen guten Thriller gehört, spannend bis in die letzte Sekunde, sondern erhält durch seine Thematik und der rücksichtslosen Geschichte auch dieses gewisse Etwas, das auch schon Filme wie Sieben auszeichnet.

Hier gibt es keinen strahlenden Helden und keinen fiesen Bösewicht. Die Grenzen zwischen gut und böse verwischen und über allem schwebt die Frage nach der moralischen Akzeptanz. Das macht die Handlung nicht nur emotional, sondern sorgt auch für eine inhaltliche Freiheit, die Regisseur Denis Villeneuve geschickt ausnutzt. Denn nur weil die Geschichte den eigenen Erwartungen entsprechend verläuft, ist man als Zuschauer am Ende nicht automatisch glücklich über den Verlauf.

Dazu gesellt sich ein Cast, der sich sehen lassen kann. Alle verkörpern ihre Charaktere nicht nur authentisch, sondern auch von der reinen Optik und ihrem Auftreten kauft man jedem seine jeweilige Rolle ab. Props dafür an das Casting und die Maskenbildner.

Die Geschichte ist gelungen, so weit war ich schon. Leider wird das Potential von Prisoners aber auf einer anderen Ebene nicht voll ausgenutzt. Die Charaktere wirken nicht nur zu Beginn recht dünn, sondern entwickeln auch im Laufe der Geschichte kaum einen Hintergrund. Das Szenario wird aufgebaut und die unterschiedlichen Profile bilden sich ausschließlich aus den aktuellen Geschehnissen. Dabei spielt doch gerade die Motivation der Charaktere wie Loki (Jake Gyllenhaal) oder Alex (Paul Dano) eine entscheidende Rolle.

Macht das Prisoners jetzt schlecht? Nein, aber trotzdem ist es schade, dass man hier nicht mehr geliefert bekommt, wenn doch das Potential dazu da ist. Bei einer Laufzeit von knapp 2,5 Stunden wäre es aber wohl doch zu viel des Guten geworden, wenn hier noch ein weiteres Fass aufgemacht werden soll.

Packshot: Prisoners

Packshot DVD
(c) TOBIS

  • Deutsche Premiere
  • Beeindruckende Darsteller
  • Jede Sekunde zählt
  • Interview mit Hugh Jackman
  • Deutscher Trailer

Das Bonusmaterial gibt Einblicke in die Deutschlandpremiere, die Schauspieler und die Idee von Prisoners. Dazu gibt es noch ein Interview mit Hugh Jackman. An und für sich also nichts Besonderes. Was jedoch auffällt, ist der immense Fokus auf Jackman und das obwohl Prisoners in Jake Gyllenhaal nicht nur einen interessanteren Schauspieler, sondern auch einen interessantere Rolle hat. Da Hugh Jackman aber wohl der größere Name (warum eigentlich?) ist, ist die Entscheidung also durchaus nachzuvollziehen.

Prisoners ist ein Brett, dass man sich ständig vor den Kopf haut. Denn, so wie bereits andere Vertreter aus der Kategorie „düstere Thriller“, erzählt Prisoners eine unangenehme Geschichte, ohne dabei etwas schön reden zu wollen. Wie weit würdest du gehen, um das Leben deiner Kinder zu retten? Über diese zentrale Frage hinaus geht Prisoners aber noch einen Schritt weiter und hinterfragt die gesamte Komplexität zwischen Moral und Gerechtigkeit. Wie weit man geht, spielt also nur eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist, was man mit sich selbst vereinbaren kann.

Prisoners ist seit dem 13. Februar 2014 im deutschen Handel als ‚DVD‚, ‚Blu-ray‚ und ‚Steelbook Blu-ray‚ erhältlich.




Meine Wertung

8 Prisoners (2013)

9 Comments

  • Jan sagt:

    Kann dir in fast allen Belangen zustimmen, wobei ich eigentlich nur die Frauenrollen bemängeln würde. Bei den männlichen Vertretern fiel es mir jedenfalls deutlich weniger auf.

    • Thomas sagt:

      Das jeder der vier Elternteile eine Art der Verarbeitung widerspiegeln soll, kann ich irgendwie noch nachvollziehen. Viel mehr Hintergrund brauchen die eigentlich auch nicht, zumal gerade Hugh Jackmans Familie noch am meisten Hintergrund von allen mitbekommt. Und Viola Davis hat zwar nur eine große Szene, die war für mich aber die stärkste. Gerade der Charakter von Jake Gyllenhaal hatte so viel Potential und hätte einfach noch mehr hergeben können. Warum ist er so düster, so hart und trotzdem sehr emotional in der Situation? Woher kommt dieses Augenzucken? Aber vielleicht habe ich mir auch zu sehr einen Bad Ass Officer gewünscht. Da bin ich dann doch zufrieden, ihn nicht so ausgeprägt bekommen zu haben.

  • Juli sagt:

    Den möchte ich unbedingt noch sehen – vor allem, nachdem ich mir den Trailer viermal zu Gemüte geführt hab. Ich freu mich auch, dass Paul Dano endlich mal wieder in einem etwas bekannteren Film mitspielt!

    • ERGO sagt:

      Paul Dano spielt bei „12 Years a Slave“ auch mit. :) Aber ich finde er hat noch recht kleine Rollen. ich würde ihn gerne mehr sehen.

    • Thomas sagt:

      In „Looper“ spielt er auch mit ;) Er ist optisch schon ein recht spezieller Charakter, passt aber sehr gut in „Prisoners“ und wirkt vor allem auch nicht eindimensional.

  • ERGO sagt:

    Gestern gesehen. Ich hoffe ich kann auch noch etwas schönes darüber schreiben, er hätte es auf jeden Fall verdient. Super Film!

    Das was du da unter „Das Schlechte“ erwähnst – kaum ein Hintergrund – da gab es für mich genau die richtige Menge an richtig platzierten Hinweisen, gerade ausreichend um mir ungefähr vorstellen zu können was in den Männern vorgeht.

    • Thomas sagt:

      Gerade von „Loki“ hätte ich schon gerne mehr gehabt. Augenscheinlich gefehlt hat es nicht, aber ich hatte mir vorab wohl zu viele Erwartungen aufgebaut.

  • Jannik sagt:

    Muss dir auf jeden Fall Recht geben im Hinblick auf den „dünnen Hintergrund“. Die Stimmung und die gezeigten Bilder an sich sind zwar richtig gut, aber ein bisschen mehr Background hätte doch das gewisse Extra ergeben.
    Fand die Frauenrollen auch ganz und gar nicht schwach, sondern eher sehr realistisch und passend. Sowohl die Passivität von Nancy Birch, als auch die „Taubheit“ von Grace Dover passen halt super ins Bild. Neben der ausweglosen Situation an sich, weitere „Gründe“ die Keller Dover zum Handeln zwingen.
    Grüße

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