Boyhood (2014)

Boyhood
Boyhood

Man merkt Boyhood seine Machart an. Und das war etwas, was mir sehr gut gefallen hat. Es wertete Masons unspektakuläre Coming-of-Age-Geschichte zwar nicht auf, erzählt sie dadurch aber deutlich authentischer und verständnisvoller.

Richard Linklater schafft es sogar seine 13 Lebensjahre zu erzählen, ohne sich dabei in Details zu verirren – zumindest zum Teil. Denn irgendwann Richtung Hälfte der 165 Minuten Laufzeit drosselt Linklater das Tempo und verliert sich in den sich ständig wiederholenden philosophischen Gedanken seiner Hauptfigur. Dadurch verlor Mason einige von meinen Sympathien, die er zu Beginn noch gut aufzubauen wusste.

Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass mir Mason gegen Ende seiner Geschichte unsympathisch wurde, nur weil er die Welt um sich ausschließlich schwarz sehen konnte. So verabschiedet sich eine wirklich schöne und schön erzählte Geschichte über das erwachsen werden leider mit einer schwierigen Phase des Lebens.

Meine Wertung

7 Boyhood (2014)

9 Comments

  • bullion sagt:

    Mich hatte der Film ja komplett überzeugt. Ich fand Mason gegen Ende auch nicht unsympathischer. Teenager eben. Und da gibt es noch viel unsympathischere Exemplare… ;)

    • Thomas sagt:

      Da du schon die zweite Person bist, die meiner Formulierung nicht viel abgewinnen kann (ich schiebe es mal auf die fehlende Übung), versuche ich es mal mit ein paar weiteren Worten zu verdeutlichen, was ich mit „unsympathisch“ eigentlich meinte.

      Ich war ja selber auch mal ein Teenager und kann Masons Entwicklung dadurch auch durchaus nachvollziehen. Es ist auch gar nicht sein Verhalten, dass mich an Boyhood gestört hat, sondern schlichtweg das Verhältnis in dem es dargestellt wurde. Denn genau bis zu Masons Teenager-Jahren legte Linklater ein wirklich gutes Erzähltempo hin. Im letzten Drittel schien mir sein Hauptcharakter aber zu stagnieren.
      Wer bin? Wo ist mein Platz? Alles ist doof, ich habe keinen Bock auf gar nichts und mir ist alles egal. Das hätte für mich ja funktioniert, wenn es sich nicht so lange hingezogen hätte. Außerdem wäre ich am liebsten zu Mason gegangen und hätte ihm (zumindest verbal) einen leichten Klapps auf den Hinterkopf gegeben, damit er vielleicht mal merkt, was er sich mit seinem Verhalten da alles kaputt macht. Aber vermutlich war so eine „Vaterfigur“ genau das, was ihm da auch mal gefehlt hat.

  • bullion sagt:

    Ich fand Masons Verhalten ehrlich gesagt gar nicht so krass ablehnend o.ä. Da war vermutlich selbst ich als Teenager schlimmer, obwohl ich vermutlich eher gemäßigt war. Das Fehlen wer Vaterfigur war bestimmt ein Thema, aber ansonsten konnte ich hier wirklich keine Extreme ausmachen. Ist aber vielleicht auch Ansichtssache…

    • Thomas sagt:

      Extreme waren es auch nicht. Aber bspw. in dem Moment, wo er seine Freundin vergrault, stand ich eher hinter ihr als hinter ihm, weil ich ihre Sichtweise total nachvollziehen konnte. Das macht einen Chrakter dann nicht unbedingt sympathischer ;)

  • Masons Entwicklung muss man mit einem Auge aber auch immer in Relation zu seinem Umfeld und seiner Familie sehen. Er selbst ist einfach eine introvertierte Figur & das ist schwierig für viele. Ich denke, dass Linklater da – auch wenn Hawke und Arquette super Persönlichkeiten spielen – ganz bewusst am Wunschbild des Erwachsenwerdens vorbei zielt. Das macht die ganze Sache durchweg ehrlicher. Wer mit schauspielerisch samt deutscher Synchro nicht gefiel war seine Schwester. Ihr sah man leider die fehlende Erfahrung an.

    • Thomas sagt:

      Ich habe ihn ausnahmsweise mal auf englisch gesehen ;)
      Masons Entwicklung war für mich ja auch nicht das Problem. Wie du schon sagst, sie wirkt ehrlich. Nur die Relation in der sie dargestellt wurde störte mich. Die letzten Jahre haben einfach mehr Screentime bekommen und dadurch natürlich auch mehr Aufmerksamkeit. Dabei fand ich die ersten Jahre aber deutlich interessanter und besser dargestellt.

  • Ich sehe das ganz ähnlich wie du und mich hat der Film exakt ab dem Punkt ebenso verloren wie du es beschrieben hast. Obwohl mich sein Aufwachsen anfangs so in die eigene Kindheit zurückversetzt hat und so viele schöne Erinnerungen geweckt hat, war das dann einfach verschwunden. Seine Gedanken und seine Entwicklung waren dann nicht mehr so ganz nachvollziehbar. Hatte später etwas Homevideo-mäßiges, bei denen man auch keinen Zugang zu den Personen hat. Bei denen wichtige Informationen fehlen. Wann hat er denn angefangen sich für Fotografie zu begeistern? Das sind alles Dinge, die eine Erwähnung wert gewesen wären, wenn sie ihn denn nun schon so prägen.

  • franziska-t sagt:

    Mir ist hintenraus einfach zu wenig passiert. Wenn Herr Linklater mal auf seine Tochter gehört hätte (sie wollte aussteigen und ihre Figur sterben lassen), dann wäre es nicht nur von dem Alterungsprozess her interessant, sondern auch inhaltlich. Dann würde er nicht nur auf der Nostalgie fußen. Trotzdem ist der Film wichtig und richtig.

    Hier meine Kritik: https://filmkompass.wordpress.com/2014/06/21/boyhood-2014/

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